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AGLAN

Arbeitsgruppe
Luftfahrtarchäologie
Niedersachsen

28.06.1910 Bad Iburg


Flug : Presseflug

Absturzzeit : 

Flugzeugtyp : Luftschiff LZ 7

Seriennummer : 

Werknummer: -

Kennung : 

Nickname : Deutschland

Gesellschaft : DELAG

Heimatbasis : Düsseldorf

Status der Besatzung : 1 Verletzter


Die Besatzung:


P: Dr. Ludwig Dürr SAFE




Seine erste Fahrt unter der Führung von Graf Zeppelin absolvierte das Luftschiff am 19. Juni 1910. Der Neubau hatte 550.000 Mark gekostet. Mit dem Grafen waren 14 weitere Mitarbeiter der Luftschiffbau Zeppelin GmbH (LZ), sowie zwei Mitarbeiter der Deutschen Luftschiffahrts-Aktiengesellschaft (DELAG) an Bord. Die DELAG war die erste Luftreederei der Welt, die Luftschiffe von LZ betreiben sollte. Am 22. Juni 1910 wurde das Luftschiff, ebenfalls unter der Führung des Grafen, nach Düsseldorf überführt und dort von der DELAG unter dem Namen „Deutschland“ in Dienst gestellt.


Das neue Luftschiff war eine Attraktion und konnte für den Preis von einer halben Mark besichtigt werden. Auf diese Weise wurden 5.000 Mark eingenommen. Einen Tag später trat das Luftschiff seine erste Fahrt mit Passagieren an. Essen, Bochum und Dortmund wurden angesteuert, um danach nach Düsseldorf zurückzukehren. Die für damalige Verhältnisse luxuriös ausgestattete Fahrgastkabine bot Platz für 24 Passagiere. Während der Fahrt wurden Speisen und Getränke von einem Steward serviert. Man setzte das von Passagierschiffen bekannte Konzept gekonnt um, um auch in der Luft alle Annehmlichkeiten zu bieten.


Die nationale und internationale Presse war für den 28. Juni 1910 zu einer Pressefahrt eingeladen. 21 Pressevertreter und elf Besatzungsmitglieder starteten mit dem Ziel Münster oder Dortmund. Um pünktlich um 8:30 Uhr abfahren zu können, wurde der Wetterbericht nicht abgewartet. Zum Frühstück wurden Sekt und Kaviar gereicht.


Bereits um 8:45 Uhr versagte der hintere Backbordmotor. Damit standen nur noch zwei der 120 PS starken Daimler-Motoren zur Verfügung. Nach etwa einer Stunde wurde Remscheid erreicht. Der zunehmende Gegenwind und die verminderte Motorleistung verhinderten die Weiterfahrt über Elberfeld in Richtung Düsseldorf. Man versuchte es daher mit Kurs Nordost, um Dortmund zu erreichen. Ab 11 Uhr wurde das Luftschiff im heftigen Regen nach Nordwesten abgetrieben, sodass man sich für Münster als Landeort entschied. Etwa um 12:45 Uhr kam über Lüdinghausen Sturm auf. Bis 16:30 Uhr kam das Schiff nicht von der Stelle. Da der Kraftstoff nur noch für zwei Stunden reichte, wurde nun Osnabrück als Landeort bestimmt. Über dem Teutoburger Wald zog jedoch ein Gewitter auf, eine dichte Wolkenwand türmte sich vor dem Schiff auf. Als das Luftschiff in die Wolken eintauchte, wurde es von 300 Metern auf 1.050 Meter Höhe hinaufgerissen. Die Pressevertreter wurden in die Spitze gebeten, die nur über eine kurze Strickleiter erreichbar war. Unter ihrem Gewicht neigte sich die Spitze des Luftschiffs wieder nach unten.


Regen, Hagel und sogar Schnee erhöhten das Gewicht des Schiffes, und eine Fallböe brachte es aus dem Gleichgewicht. Das Luftschiff stürzte regelrecht aus den Wolken. Die Bäume auf den Höhen des Teutoburger Waldes kamen immer näher. Schließlich rauschte das Luftschiff in die Baumwipfel und strandete in den Fichten auf dem Höhenzug Freeden. Die wegbrechenden Bäume bremsten das Schiff und verhinderten einen völligen Absturz auf den Erdboden. Verletzt wurde nur ein Monteur der Besatzung, beim Sprung aus einer Motorgondel. Das letzte Drittel des Luftschiffs war zerstört, die hintere Gondel schwer beschädigt.


Das Luftschiff musste abgewrackt werden. Der Materialschaden wurde auf 150.000 bis 200.000 Mark geschätzt. Wiederverwendbares Material, unter anderem die Motoren, wurde nach Friedrichshafen gebracht und für den nächsten Neubau verwendet.


Der Teutoburger-Wald-Gebirgsverein errichtete 1911 an der Unglücksstelle einen Gedenkstein. Die von dem Osnabrücker Holzschnitzer, Modelleur und Bildhauer Heinrich Wulfertange geschaffene Relieftafel trägt die Inschrift:


„Hier strandete schneebedeckt im Sturm am 28.6.1910 das erste Verkehrs-Luftschiff Z 7 ‚Deutschland‘ – Trotzdem vorwärts –“


Ungeachtet dieses Unglücks wurden Luftschiffe im Ersten Weltkrieg zu einem wichtigen Fernkampfmittel und galten bis zur Katastrophe von Lakehurst im Jahr 1937 als bequeme und sichere Art zu reisen – wie zahlreiche Fern- und Weltfahrten von Luftschiffen bewiesen.



Quellen:


Zeppelin Museum Friedrichshafen

Neue Osnabrücker Zeitung, 12.08.2025


Bildnachweis:

[1] Wikipedia, Creative Commons, gemeinfrei

[2] MAT, Wikipedia, CC BY-SA 3.0

[3] Raimond Spekking, Wikipedia, CC BY-SA 4.0

Technische Daten LZ 7


Länge in m: 148

Durchmesser in m: 14

Volumen in Kubikmeter: 19.300

Zellenanzahl: 18

Leergewicht in kg: 15.630

Nutzlast in kg: 6.800

Motorenanzahl: 3

Motorleistung in PS: 120

Gesamtleistung in PS: 360

Propeller: 4

Das Luftschiff LZ 7 nach dem Start.
LZ 7 nach dem Start [1]
Der Zeppelinstein.
Der Zeppelinstein [2]
Devotionalien vom Absturz des LZ 7.
Devotionalien vom Absturz des LZ 7 [3]