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AGLAN

Arbeitsgruppe
Luftfahrtarchäologie
Niedersachsen

30.12.1957 Silberborn


Angriffsziel : Übungsflug

Absturzzeit : 12:00 Uhr

Flugzeugtyp : Canberra B(I).6

Seriennummer : XJ249

Werknummer: 

Kennung : 

Nickname : 

Einheit : No. 213 Squadron

Heimatbasis : Brüggen

Status der Besatzung : 3 KIA


Die Besatzung:


P: F/Lt. Clarke, Horace Walter Raymond KIA


N: F/O. Milne, Brian KIA


N: F/Lt. McCarthy, Desmond Terence KIA



Auf einem Übungsflug vom Fliegerhorst Brüggen in NRW nach Hamburg stürzte die Canberra des No. 213 Squadron am Dasseler Mittelberg bei Silberborn ab. Alle drei Besatzungsmitglieder fanden den Tod. Die Maschine war um 17:25 Uhr in Brüggen gestartet. Gegen 19:00 Uhr nahmen Silberborner Bürger ein tieffliegendes Flugzeug mit ungewöhnlichem Motorengeräusch war. Die Gemeindeverwaltung wurde informiert und von hier aus die Polizei in Dassel und Sievershausen. Da keine weiteren Meldungen eingingen, wurde nichts unternommen. Erst drei Tage später, am 02.01.1958 fanden eine Jugendgruppe des Roten Kreuz aus Göttingen, die über die Weihnachtsferien im Schullandheim Silberborn weilten, zufällig die Wrackteile im hohen Schnee. Das Flugzeug war so tief geflogen, dass es die hohen Buchen am Dasseler Mittelberg streifte und eine Schneise in einen etwa 20 Jahre alten Jungfichtenbestand riss.


Das Unglück machte schnell die Runde und so eigneten sich Schaulustige, den Absperrungen zum Trotz, Gerätschaften und Kartenmaterial an. Die Karten stammten noch aus den Beständen der ehemaligen Wehrmacht und zeigten ausschließlich Gebiete in der DDR. So wurde spekuliert, da sich die Royal Air Force mit Aussagen zum Absturz sehr zurückhielt, dass es sich bei dem nächtlichen Flug um einen Intruder Einsatz über dem Gebiet der DDR handeln müsste. Im Tieflug sollte der Radarschirm des Ostens unterflogen werden, um dann Aufklärung zu betreiben.


Tatsächlich hätte die Flugroute bei einem Direktflug nach Hamburg wesentlich weiter nördlich, weit ab vom Absturzort gelegen. Nur ein Direktflug nach Berlin würde den Absturzort schneiden. Damit hätte das Gebiet der DDR überflogen werden müssen. Übungsflüge führen aber selten geradlinig vom Startpunkt zum Ziel. So ist es durchaus möglich, dass erst ein östlicher Kurs eingeschlagen wurde, um dann nach Norden Richtung Hamburg weiterzufliegen.

Allein die B(I).6 Version der Canberra spricht gegen einen Intruder Einsatz. Diese Version war mit einem Low Level Bombing System ausgestattet, um taktische Nuklearbomben im Tiefflug ins Ziel zu bringen. Die Einsatzart dieses Flugzeugs deckt sich mit dem Übungsflug in geringer Höhe.


Um Aufklärung über dem Gebiet des Ostblocks durchzuführen, wäre die speziell für diesen Einsatz konstruierte Canberra PR.3 geeigneter gewesen. Dass angeblich keinerlei Karten von Westdeutschland an Bord gewesen sein, beruht einzig darauf, dass diese nicht gefunden wurden. Selbst ein Tagflug bei bester Sicht wäre ohne navigatorische Unterlagen sträflicher Leichtsinn gewesen. So kann man der offiziell genannten Absturzursache, Absturz im dichten Schneetreiben bei einem Übungsflug, Glauben schenken.


In den Osterferien 1958 errichtete die Jugendgruppe des Roten Kreuz aus Göttingen an der Absturzstelle ein schlichtes Denkmal. Die Gemeinde Silberborn stellte Fahrzeuge und Material zur Verfügung. Im Juni 1958 wurde das Denkmal unter Beisein der Jugendgruppe, Angehörigen der Flieger, Geschwaderkameraden und Vertretern der Gemeinde Silberborn eingeweiht. Im Sommer 2024 wurde das Denkmal auf betreiben des Solling- und Heimatvereins Silberborn saniert.


Die getöteten Flieger ruhen heute auf dem Rheindahlen Military Cemetery in Mönchengladbach.


Quellen:

Täglicher Anzeiger Holzminden, 16.09.2024

Silberborn - Vom Hüttenplatz zum Fremdenverkehrsort, Gerhard Brodhage & August Müller, Solling- und Heimatverein Silberborn 1996


Bildnachweis:

[1] Wikipedia, Public Domain