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V-Waffen im Südkreis Nienburg

Steyerberg

Die dritte Batterie der I. Abteilung des Art. Regt. 901 erhielt am 24. März 1945 den Auftrag sich auf dem Landmarsch in den Raum Leese zu begeben, um dort die Gruppe Nord zu unterstützen und einen doppelten Umschlag einzurichten. Für diese Dauer wurde die Batterie direkt dem Armeekommando z. V. unterstellt.

Beim doppelten Umschlag wurden angelieferte A4 mit ihrem Zubehör vom Eisenbahntransport auf die Einheiten umgeschlagen. Die Einheiten gaben nicht verschossene A4 (Versager) ab, die mit einem Eisenbahntransport zur Reparatur zurück in eine Außenstelle (Klein Bodungen) des Mittelwerks gingen.

Ob der Umschlag tatsächlich in Leese stattfinden sollte ist unklar, da das entsprechende Archivale in der Textpassage "bei Leese" nennt.

Bekannt ist, dass am 10. April 1945 am Bahnhof Steyerberg leere Transportgruppen aus Rungenwagen und offenen Wagen durch die britischen Truppen aufgefunden wurden. Ebenfalls stand dort ein defekter Starttisch, ein Vidalwagen, ein Meillerwagen, zwei T-Stoff-Vorwärmer, sowie ein A-Stoff Straßen-Transportanhänger. (A-Stoff=Sauerstoff.)

A-Stoff Transporter

Abb.1 Aufgegebener A-Stoff Transportanhänger in Steyerberg.  © IWM BU 3320

 

Auf dem Bahnhofsgelände und dem Zug lagen auch 18 Transportbehälter für sogenannte "Elefanten", die Gefechtsköpfe. Da auch Kopfzünder gefunden wurden, ist davon auszugehen, dass die Behälter mit Gefechtsköpfen bestückt waren.

In Steyerberg dürfte damit ein Zuliefertransport gestrandet sein, dem eine Weiterfahrt nach Norden, Richtung Nienburg, nicht möglich war, da die Nienburger Eisenbahnbrücke über die Weser bei einem Luftangriff am 29. März 1945 zerstört wurde.

Neben den leeren Transportgruppen für die A4 standen auch einige Güterwagen mit Fieseler Fi 103, V-1, auf Gleis 1. Steyerberg muss von einem Tieffliegerangriff getroffen worden sein. Die Dampflokomotive BR 24 059 des Bahnbetriebswerks Rahde lag völlig zerstört quer über die Gleise von Gleis 2 zu Gleis 3 des Bahnhofs. Die Dampflok war vor Transportgruppen des A4 Zuges gespannt. Einige gedeckte Güterwagen, die vermutlich zum V-1 Zug gehörten, waren ausgebrannt.

Zerstörter Zug in Steyerberg

Abb. 2 Auf den rechten Gleisen die entladenen Rungenwagen des V-2 Zuges. Im Vordergrund verladene V-1.  © IWM BU 3301

 

Oyle

Bei Oyle blieb ebenfalls aufgrund der gesprengten Nienburger Eisenbahnbrücke ein Transportzug mit A4 Raketen liegen. Dieser Zug soll nach Augenzeugenberichten am 05. April 1945 gesprengt worden sein.

Mindestens eine Rakete wurde durch die britischen Truppen weitestgehend unversehrt aufgefunden. Anhand der Gerätenummer 22711 und den auf Fotos festgestellten Gefechtsköpfen, ist auch hier von einem zuführenden Transport aus dem Mittelwerk an die Einsatzeinheiten auszugehen.

V2 Zug in Oyle

Abb. 3 Ein Nutzlastspitze im Gesprengten Zug bei Oyle.  © IWM BU 3693

 

Leese

Die Ortschaft Leese liegt etwa 16 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Nienburg/Weser auf dem östlichen Ufer der Weser. Leese ist mit seinem Bahnhof ab Mai 1921 an das Reichsbahnnetz der Strecke Nienburg-Minden angeschlossen. Vorher bestand nur Anschluss an die meterspurige Steinhuder-Meer-Bahn.

 

Ab Sommer 1937 wurde etwa 2,5 Kilometer nordöstlich von Leese im Forst Hahnenberg ein Kampfmittelwerk zur Produktion von Zwischenprodukten für chemische Kampfstoffe gebaut. Die Fertigstellung erfolgte erst 1943. Im Osten des Areals verfügte die Anlage über ein eigenes Kraftwerk. Ein Wasserwerk mit Speisung aus der Weser wurde in der Nähe des Haupttores errichtet. Betreiber der Anlage war die Firma Orgacid, die den nördlichen Teil an die Firma Riedel de Haën zur Herstellung von Omega-Salz (Grundstoff für Tränengas) und Sauerstoff verpachtet. Der südliche Teil wurde von der Lonal-Werke AG zur Herstellung von Arsin-Öl betrieben. Bis auf die Sauerstoffproduktion soll es bis Kriegsende nicht zu nennenswerten Produktionskapazitäten gekommen sein.

Südlich des Oehmer Felds zwischen Reichsstraße (Bundesstraße 215) und des Forsthauses Leese entstand 1938 das Lager Uhlenberg. Steinbaracken für die Arbeiter die das Werk errichteten, später dienten das Lager dem Personal der beiden pachtenden Firmen. Auch die Werksleitung hatte hier ihren Sitz.

Ab 1938 verfügte das Gelände über ein Anschlussgleis vom Bahnhof Leese aus. Die Übergabegleise der Firma Orgacid befanden sich östlich der bestehenden Gleisanlagen im Bahnhof Leese.

Leese Bahnhof

Abb. 4 Rot markiert die Übergabegleise im Bahnhof Leese

 

Das Anschlussgleis passierte zwei Überführungsbauwerke und führte südlich am Lager Uhlenberg in den Forst Hahnenberg, östlich des Oehmer Feldes.

Entlang der Strecke im Hahnenforst standen Freileitungsmasten für Mittelspannung. Über diese Leitung wurde vermutlich das Lager Uhlenberg aus dem werkseigenen Kraftwerk mit Strom versorgt.

Leese Meßtischblatt

Abb. 5 Die Lage auf einer Nachkriegskarte ca. 1950. Grün der ehemalige Bereich des Kampfmittelwerkes, blau das Lager Uhlenberg, rot das Anschlussgleis.

 

Die Situation im April 1945

In Leese konnten nach Fotoauswertung 18 Stück A4 auf einem Transportzug, der auf dem Anschlussgleis der Firma Orgacid zwischen Lager Uhlenberg und dem Kampfmittelwerk Leese abgestellt war, identifiziert werden.

Die Raketen waren wie unter 3.1. beschrieben in Transportgruppen auf Rungenwagen mit offenem Güterwagen als Zwischenwagen gelagert. Die seitliche Tarnung bestand aus Geschosskörben.

Fotos zeigen, dass die Zwischenwagen ohne Zubehör, wie Zünder oder Gefechtsköpfe abgestellt wurden. Vermutlich handelt es sich um abgegebenes, schadhaftes Gerät. Wo allerdings in dem Fall die Verladung erfolgte ist unklar. Hier kommt der Bahnhof Leese, als auch das Anschlussgleis im Bereich wo parallel ein Weg entlangführt infrage.

Zerstörter Zug Anschlussgleis Leese

Abb. 6 Das Anschlussgleis in Leese am 09. April 1945.  © IWM BU 3281

Im Forst Hahnenberg, rund um das Kampfmittelwerk verteilt, standen etliche Raketen abgestellt auf Vidalwagen. Neun A4 auf Vidalwagen gelten anhand der Fotos als sicher, vermutlich dürften es mehr gewesen sein. Es liegt nahe, dass es sich um die entladenen Raketen aus Steyerberg handelte.

Durch deutsche Truppen erfolgte am 05. April 1945 die Sprengung der Raketen. Hierzu erinnert sich der damals 14-jährige Heiner Pralle aus Nendorf, der am Tag vorher eine Fahrt für die Wehrmacht mit einem Pferdegespann nach Loccum durchführen musste und die kurz vor der Sprengung stehende Stolzenauer Weserbrücke nicht mehr überqueren durfte und kurz darauf in einen Artilleriefeuerüberfall geriet:

"Durch seine Anweisungen komme ich glücklich aus dem Feuer heraus. Nördlich an Leese vorbei gelange ich in ein Gehölz. Hier musste in der Nähe ein Werk sein. Auf einem Gleis steht ein Bahnwagen mit V-2 Raketen. Ein deutscher Soldat rennt auf mich zu. 'Wenn ihr noch lebend aus dem Holz rauswollt, dann fahrt schnell diesen Weg. In 2 1/2 Minuten geht die V-2 in die Luft. Luntenschnüre brennen schon!', und weg war er. Ich preschte mit meinem Gespann ab."

Die Wirkung der Sprengung fiel bei den einzelnen Waggons sehr unterschiedlich aus. Von komplett zerstört bis fast unversehrt reichte die Palette.

Das spricht für eine flüchtige Sprengung ohne abschließende Kontrolle des Ergebnisses.

Unzerstörtes A4

Abb. 7 Ein unzerstörtes A4 in Leese, fotografiertaus dem offenen Güterwagen. Gut zu erkennen die klappbaren Spriegel an den Rungen.  © IWM BU 3284

 

Bei den im Wald abgestellten Vidalwagen erfolgte die Vernichtung sorgfältiger. Mindestens der Geräteraum der Rakten mit der Steuerungstechnik wurde gesprengt,

überwiegend wurden die Raketen aber regelrecht zerrissen. Die weit verstreute Glaswatte zeugt davon. Die meisten der Vidalwagen wurden in Mitleidenschaft gezogen.

 

Verbleib der Raketen

Neben den Raketenspezialisten um Wernher von Braun war natürlich die Technologie, intakte Raketen und Bauteil die Begierde aller Alliierter.

Missgunst, Gier nach deutscher Rüstungstechnologie und die sich schon im Mai 1945 absehbare zukünftige Spaltung in Ost und West ließ besonders die Amerikaner versuchen alles von der deutschen Raketentechnologie habhaft zu werden. Dazu wurden sogar die eigenen westlichen Verbündeten, die Briten, trotz Absprachen, Übervorteilt.

Die Region Nordhausen wurde im April 1945 von amerikanischen Truppen besetzt. Ihnen fiel das Mittelwerk unzerstört in die Hände. "Als wären die Arbeiter in der Mittagspause!" beschrieben die Eroberer die wohl unheimlich wirkende Atmosphäre im menschenleeren Mittelwerk. Die (Zwangs-) Arbeiter waren aber nicht zum Mittag, sondern befanden sich auf Todesmärschen in andere Lager, viele von ihnen kamen dort nie an.

Nachdem die Amerikaner Material für etwa 100 komplette Raketen abtransportiert hatten, die Region sollte am 01. Juli 1945 an die russische Besatzungsmacht übergeben werden, durften die Briten sich in Nordhausen bedienen.

 

Operation Backfire

Am 06. Juni 1945 traf als erste britische Einheit das 6203 Bomb Disposal Flight ein, um Kontakt mit den Amerikanern aufzunehmen.

Ab 08. Juni erfolgte die Verladung von Material. Erst wurde das Material in das 240 Kilometer entfernte Kassel gefahren und dort auf Züge Richtung Cuxhaven verladen. Die weite Strecke kostete wertvolle Zeit und verzögerte das Verladen im Mittelwerk. Der näher gelegene Fliegerhorst Göttingen mit einem intakten Hangar und Krananlage diente fortan als Zwischenlager.

Bis 14. Juni wurden aus dem Mittelwerk 74 A-Stoff Tanks (Flüssigsauerstoff-Tanks) und 43 B-Stoff Tanks (Ethanol-Tanks) sowie 143 Rumpfhalbschalen und Unmengen an Kleinmaterial geborgen. Aus dem Reparaturwerk in Klein Bodungen konnten fünf Raketen abtransportiert werden.

Insgesamt hatten die Briten eine Menge Material, was sich eher als Sammelsurium beschreiben lässt, auf dem ehemaligen Krupp-Testgelände in Cuxhaven-Altenwalde angehäuft. Es fehlte aber an geschultem Personal und vor allem an der Bodenausrüstung.

Während sich die Amerikaner personell auf das Peenemünder Technik-Team konzentrierten, beschritten die Briten einen anderen Weg. Bereits im April 1945 wählten sie in einem Kriegsgefangenenlager in Herford eine Anzahl Praktiker aus, Soldaten der Division z. V., die bei Wootz über die Elbe in amerikanische Gefangenschaft gingen.

In mehreren Stufen von Befragungen konnten die Briten Rückschlüsse ziehen wie nützlich der Einzel war und für das "Altenwalder Versuchskommando", kurz AVKO, geiegnet war.

Der ehemalige Oberstleutnant und Kommandeur der Artillerie Abteilung 901 wird Leiter des Kommandos. Nach Sichtung des Materials in Altenwalde durch Oberleutnant Dr. Ing. Graetz wird klar, dass nur durch eine gezielte Materialbeschaffung und sogar Neufertigung de sich der Auftrag 30 Raketen abschussbereit zu bekommen, erreichen lässt. Eine personelle und materielle Anforderungsliste erweckt bei der dem Kommando unterstellte britische Brigade Erstaunen und Argwohn.

Letztendlich stehen 591 Deutsche, die nicht mehr den Status von Kriegsgefangen haben, britische Truppenverpflegung erhalten sowie unfallversichert sind, auf der Wehrsoldliste der Briten.

Das fehlende Bodengerät wird an den Plätzen gefunden, wo sich die Batterien ihrer im April 1945 durch Sprengung oder Zurücklassen entledigt haben. Die Sichtung erfolgt durch Kommandoangehörige in britischer Begleitung.

Im August 1945 werden eine unbekannte Anzahl, aber nicht mehr als zwölf Raketen aus Leese (vermutlich auch aus Oyle) für die Operation Backfire geborgen.

Umladung im Bahnhof Altenwalden

Abb. 8 Umladung eines A4 der Operation Backfire auf einen Vidalwagen mit Hilfe eines Strabokrans (Straßenbockkran).  © IWM BU 11227

 

Der neu gestellte Auftrag, acht Raketen abschussbereit und die komplette Bodenausrüstung vor Ort zu haben, war Ende September erreicht.

Am 27. September 1945 war die erste Rakete schussklar geprüft und sollte am 01. Oktober starten. Nach zwei vergeblichen Startversuchen musste die Rakete enttankt werden. Ein erneuter Versuch am 02. Oktober um 14:41 Uhr mündete in einen Bilderbuchstart. Die Rakete legte 249,4 Kilometer zurück und schlug dicht am Zielpunkt im Sicherheitsgebiet der nördlichen Nordsee ein.

Der zweite Start am 04. Oktober war ein Fehlschuss. Nach Ausfall des Raketenmotors schlug die A4 nach 24 Kilometer Flugstrecke nordwestlich Cuxhaven in der Nordsee auf.

Der dritte und letzte Start am 14. Oktober, in Anwesenheit von Amerikanern und Russen, war erfolgreich. 233 Kilometer legte die Rakete zurück, bevor sie im Sicherheitsgebiet aufschlug.

Mit diesem letzten Abschuss war die Operation Backfire beendet. Das Kommando wurde unter voller Anerkennung durch die Briten am 20. Oktober aufgelöst. Jeder Kommandoangehörige, sofern er nicht in der sowjetischen Zone beheimatet war, wurde bis vor die Haustür gefahren.

 

Raketenklau

Im Mai 1945 diente der kanadische Schriftsteller Farly Mowat im Rang eines Captains im Hastings & Prince Edward Regiment. Das Nachfolgende basiert unter anderem auf seinen Erzählungen. Obwohl Leese nicht explizit genannt wird, ergibt sich die Örtlichkeit aus der Beschreibung im Text. Fußnoten weisen auf eklatante Fehler hin, die Zeigen, das Mowat seine Geschichte mit viel Fantasie anreicherte.

Er wurde beauftragt deutsche Ausrüstung, Rüstungstechnologie und Dokumente ausfindig zu machen, zu identifizieren, zu sammeln und von Antwerpen nach Montreal zu verschiffen.

Ihm und seinem fünfköpfigen Team gelang es 700 Tonnen Material mit einem amerikanischen Schiff der Liberty-Klasse, der SS Blommersdyke, nach Übersee zu bringen.

Colonel Tyc Michaelis [1] vom niederländischen Widerstand informierte Mowat über den Standort einer „Rheintochter-Fabrik“ (Rheintochter war eine deutsche Flugabwehrrakete) und über einen Zug mit V-2 auf Eisenbahnwaggons die auf einem versteckten Gleisanschluss in Deutschland standen. Die Raketen wurden abseits der Nord-Süd-Linie entlang der Weser lokalisiert.

Den Kanadiern war es auf Befehl der 21th Army Group verboten sich V-2 anzueignen, vermutlich im Hinblick auf Operation Backfire.

Kurz bevor dieser Befehl erlassen wurde, hatte Captain Mowat den Lieutanant Mike Donavan, ein Offizier des kanadischen Geheimdienstes, in Marsch gesetzt, um eine dieser Raketen von den Briten zu „erwerben“.

Donavan fuhr zu einem Gleisanschluss „irgendwo bei Hamburg“, wo er auf eine britische Abteilung stieß, die eine Reihe von Eisenbahnwaggons bewachte, die jeweils mit einer Rakete beladen waren.

Die britischen Bewacher wollten sich von so wichtigem Kriegsmaterial nicht trennen und ließen Donavan nicht einmal in die Nähe des Zuges.

Im Fernglas erkannte er, dass eine Zufahrtsstraße entlang des Gleises verlief und diese in eine Nebenstraße mündete. Die letzte Rakete stand in einem Kiefernwäldchen, durch das sich die Zufahrtsstraße schlängelte.

Donavan fuhr zurück und machte sich zusammen mit Lieutanant Jim Hood und einigen Männern und einem Mack Abschleppwagen wieder auf den Weg. Ein Umweg über Bremerhaven diente dazu sich einen Anhänger für ein Ein-Mann-U-Boot anzueignen.

Hood versteckte sich mit seinem Fahrzeug etwa drei Kilometer von den Waggons entfernt in einem Wald. Donavan fuhr mit seinem Jeep wieder bei den Briten vor, bewaffnet mit einem 30 Liter Demijohn DeKuyper’s Gin.

Sich selbst einladend, teilte er freundschaftlich den Gin mit der Gruppe Infanteristen, die den Zug bewachten. Kurz vor Einbruch der Dunkelheit gab Donavan vor Austreten zu müssen. Er ging zu seinem Jeep und teilte Hood über ein Handfunkgerät mit, dass die Luft rein sei.

Im Schutz der Dunkelheit rollte der Mack mit seinem Anhänger neben den Waggon mit der ausgewählten Rakete. Es gelang den Männern die Rakete umzuladen. [2]

Während Lieutanant Hood sich mit der Rakete vorsichtig davonschlich, stimmte Donavan mit den britischen Wachen ein Lied nach dem Anderen an.

Als Donavan sicher war, dass Hood mit der Rakete weit genug weg war, verließ er den „Chor“ nicht ohne den gut gefüllten Demijohn zur Sicherheit dort zu lassen.

Er holte seine Mannschaft ein und fuhr ihnen voran, um an Kontrollpunkten die Wachen vor einer „Bombenentschärfungs-Mannschaft“ zu warnen, die mit einem „Blindgänger“ passieren müssten.

Als Captain Mowat am nächsten Morgen die Rakete vor seinem Fenster entdeckte, ließ er sie in eine Lagerhalle bringen. Zimmerleute mussten einen kleinen Kommandoturm bauen, der oben auf die Rakete gebaut wurde, am Heck wurde ein Propeller installiert und das Ganze in marineblau lackiert. Als experimentelles U-Boot der Deutschen getarnt wurde die A4 so bis zur Verladung auf die SS Blommersdyke versteckt.

Die Rakete ging zur Untersuchung zum Canadian Armament Research and Development Establishment (CARDE) in Valcartier, Quebec.

Angeblich soll die Rakete einen Gefechtskopf getragen haben, die Wissenschaftler in Valcartier stellten mit Entsetzen fest, das dieser noch seinen Sprengstoff enthielt.

Der flüssige Sprengstoff im Sprengkopf der Rakete war ausgehärtet und musste von den Wissenschaftlern entfernt werden, indem sie vorsichtig ein Loch in den Nasenkegel bohrten und einen Schlauch zum Auswaschen einführten. [3]

Die Rakete verschwand einige Zeit aus dem Bild der Öffentlichkeit, erst 1950 wurde sie in der Canadian National Exhibition in Toronto wieder ausgestellt.

Danach war die Rakete wieder verschwunden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass diese A4 auf dem Gelände der ehemaligen RCAF-Station Picton, Ontario, vergraben ist. Einheimische in Picton, die dort in den 1960er Jahren aufgewachsen sind, erinnern sich 

daran, dass die Rakete und anderes altes Geräte mit Bulldozern in die Deponie der Basis geschoben wurde.

 

[1] Erwartungsgemäß müsste ein niederländischer Widerstandskämpfer im Rang eines Oberst Spuren im Internet hinterlassen, was nicht der Fall ist. Selbst im niederländischen Widerstandsmuseum ist der Name Michaelis unbekannt.

[2] Im Originaltext wird die Rakete über Hölzer vom Waggon heruntergerollt. Das ist selbst unter Einsatz mehrerer Männer nicht möglich. Zum Einen müssten die Rungen des Waggons entfernt werden, zum Anderen liegt die Rakete in halbrunden, hölzernen Lagerböcken, die ein Herunterrollen unmöglich machen. Das Umladen kann nur mit Kranhilfe erfolgen.

[3] Der Gefechtskopf der A4 war mit Amatol gefüllt, das nur zum Befüllen verflüssigt wurde, ansonsten handelte es sich um eine feste Masse. Da die Rakete von einem Transportzug stammte hatte sie nie einen Gefechtskopf, dieser muss nachträglich installiert worden sein.

 

Die Royal Engineers bedienen sich

Nach dem die Royal Engineers beim Überschreiten der Weser in Stolzenau hohe Verluste hatten, schien es nur recht und billig sich eine außergewöhnliche Kriegstrophäe zuzulegen.

Ob die A4 der Royal Engineers tatsächlich aus Leese stammt oder eventuell vom Transportzug bei Oyle, konnte bisher nicht geklärt werden.

V2 RE

Abb. 9 Die Royal Engineers mit ihrer Beute im Mai 1945

 

Bildnachweis:

Abb.1 bis 3 und 6 bis 8: Imperial War Museum, London, 

Abb. 9: https://www.bombdisposalclub.org.uk/bomb-disposal-history/

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