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Transport

Eisenbahntransport

Die Deutsche Reichsbahn war ein wichtiges Bindeglied zwischen den einzelnen Vorwerken, Produktionsstätten, den Montagewerken und letztendlich um die fertige Waffe an die Umschlagplätze der Einsatzeinheiten zu transportieren

Alle Einsatzraketen wurden im Mittelwerk produziert und im Anschluss in eine Heeresmunitionsanstalt geliefert. Hier wurde der Gefechtskopf, Zünder, die Grafitruder (Druckstücke) und Geräte zur Steuerung beigestellt. In vorfahrtsberechtigten Zügen gingen die Transporte bei Bedarf an die Einsatzeinheiten

Dies zu langsame Procedere wurde durch das Verfahren "Heiße Semmeln" ersetzt. Zwanzig Stück A4 wurden sofort nach der Produktion an die Einsatzeinheiten versendet. Die Züge legten an Komplettierungsstellen einen drei- bis vierstündigen Aufenthalt ein um den Gefechtskopf und das oben bereits genannte Zubehör beizuladen.

Als Komplettierungsstellen sind Hardegsen und Hatzfeld (Eder) bekannt.

Eine Transportgruppe bestand aus zwei Raketen, zwei Gefechtsköpfen und dem Zubehör.

Die Raketen wurden auf je einem Rungenwagen der Gattung "R", Gattungsbezirk "Stuttgart" verladen. Hierfür wurden ältere, preußische Rungenwagen mit einer Länge über Puffer (LüP) von 11, 5 Metern und einem Ladegewicht von 15 Tonnen verwendet.

Die Rungenwagen sind an ihren acht seitlichen, hölzernen Rungen, dem spitz zulaufendem Sprengwerk unter dem Fahrzeug und dem kurzen Radstand von 6 Metern zu identifizieren.

Übersichtszeichnung nach Musterblatt A4 Rungenwagen Stuttgart

Abb. 1 Rungenwagen "Stuttgart" nach Musterblatt A4 von 1912

 

Da die Rakete auch ohne Gefechtskopf länger war als die Ladelänge des Rungenwagen, stand der Geräteraum zur Mitte hin über und ragte in den zwischen den Rungenwagen gekoppelten offenen Güterwagen der Gattung "Ommu", Gattungsbezirk "Villach".

Die herausnehmbaren, stirnseitigen Bordwände wurden dafür entfernt.

Der offene Wagen hatte eine LüP von 10,1 Metren, einen Radstand von 6,0 Metern und verfügte ebenfalls über ein spitz zulaufendes Sprengwerk.

 Offener Güterwagen Villach

Abb. 2 Übersichtszeichnung des offenen Güterwagens Villach

 

Güterwagen Villach

Abb. 3 Ein offenen Güterwagene "Villach".  CC-BY-NC-SA @ Verkehrsmuseum Dresden

 

Gemäß der Planzeichnung E 2150 D vom 24. Mai 1943 aus dem Bestand des deutschen Museums München, war ursprünglich als Mittelwagen ein Flachwagen mit einer LüP von 9,3 Metern vorgesehen. 

Hier kommt aufgrund der LüP nur der Arbeitswagen der Gattung X, Gattungsbezirk "Erfurt" infrage.

Wann und warum zugunsten des offenen Güterwagens "Villach" entschieden wurde, ist unklar. Vermutlich dürfte aber die geringe Stückzahl der Arbeitswagen, die oft auf Unterbauten aus ausgemusterten Güterwagen entstanden, den Ausschlag gegeben haben.

Die Transportgruppe war in der Regel als Sicht- und Wetterschutz abgeplant. Zu Tarnungszwecken waren oberhalb der Bordwände der Rungenwagen unter anderem Geschosskörbe, Faschinen, oder Bretter von Munitionskisten, teilweise noch mit Beschlägen der Kisten, befestigt, um dem Neugierigen bei einem Blick unter die Plane einen völlig anderen Transport zu suggerieren, als den einer V-2.

Übersichtszeichnung Flachwagen Erfurt

Abb. 4 Übersichtsskizze des Arbeitswagens "Erfurt"

 

Tarnung an den Güterwagen

Abb. 5 Tarnung mit Geschosskörben und Munitionskistenbrettern an einem Rungenwagen in Leese.  © IWM BU 3238

 

Um die Abdeckplanen aufzunehmen, erhielten die Rungen klappbare Spriegel. Nach dem entfernen der Plane konnten die Spreigel nach aussen geklappt werden, um die A4 mit einem Kran nach ober herauszuheben.

Die Spriegel im Bereich des Hecks der A4 waren anders geformt, als die Übrigen, die eingeklappt ein "Spitzdach" bildeten.

Tarnung mit Faschinen in Steyerberg

Abb. 6 Tarnung mit Faschinen in Steyerberg/Lkr. Nienburg/Weser.

 © IWM BU 3307

 

Strassentransport

Vidalwagen

Zum Strassentransport stand der Vidalwagen zur Verfügung. Der Anhänger wurde nach der Herstellerfirma Vidal & Sohn Tempo-Werk GmbH aus Hamburg-Harburg benannt.

Ihr Chefkonstrukteur Otto Daus entwarf den Anhänger als A-förmigen Rohrrahmen.

Das 14,1 Meter lange Fahrzeug ist an der Vorderachse einfach bereift, die Hinterachse trägt Doppelbereifung. Die Deichsel ist meiner Auflaufbremse versehen , die mit Druckluft auf die beiden inneren, hinteren Räder wirkt.

Am Heck befindet sich ein scharniergelagerter Sporn, der bei Bedarf abgesenkt werden kann und das Zurückrollen des Anhängers im Gelände verhindert.

Der Anhänger verfügt an der Front über eine kleine Wiege, am Heck über eine Größere zur Aufnahme der A4.

Ein 2,75 Meter breiter und 1,62 Meter langer 50 mm Rohrahmen ragt als Schutz für die Leitwerke der A4 am Heck des Anhängers heraus.

Der Vidalwagen wurde genutzt, um die A4 vom Entladebahnhof zum Technischen Batterie zur Überprüfung zu bringen.

Bekannt ist nur ein Vidalwagen der den Krieg und Nachkriegszeit überlebte. Er ist Magazinbestand des RAF Museum Cosford, England.

 

Vidalwagen

Abb. 7 Ein Vidalwagen während der britischen Operation Backfire.

  © IWM BU 11189

 

Fernraketen-Anhänger, Fahrzeug Nr. 102

Der dreiachsige Anhänger, wurde im Sprachgebrauch nach einem Zulieferer für diesen Anhänger, die Firma Meiller, auch Meillerwagen genannt.

Der mit einem selbstspurenden Laufgestell ausgerüstet Meillerwagen verfügte über einen VW Otto-Motor zum Antrieb der hydraulischen Kippvorrichtung.

Mit dem Anhänger wurde die A4 in die Feuerstellung transportiert, aufgerichtet und auf die Abschussplattform gesetzt. Abklappbare Arbeitsbühnen ermöglichten ein Arbeiten an der aufgerichteten A4.

Alle erforderlichen Rohrleitungen zum Betanken der A4 und die elektrischen Leitungen für die A4 waren am Kipprahmen befestigt.

Montiert wurde der 16,67 Meter lange und 2,87 Meter breite Meillerwagen im "Lager Rebstock" in Marienthal/Ahr und ab November 1944 in Artern/Thüringen unter Leitung der Stettiner Firma Gollnow und Sohn.

Etwa 200 Meillerwagen und anderes Bodengerät zur A4 wurden von zeitweilig bis zu 207 Häftlingen des KZ Buchenwalds die im Lager Rebstock Zwangsarbeit leisteten hergestellt.

 

Meillerwagen in Steyerberg

Abb. 8 Aufgegebener Meillerwagen im April 1945 in Steyerberg, Lkr. Nienburg/Weser.  © IWM BU 3316

 

Bildnachweis:

Abb.: 1: Preußische Staatsbahn, Musterblatt A4

Abb. 3: Schenkung der Bombardier Transportation, Werk Görlitz
Eigentum/Sammlung der Verkehrsmuseum Dresden gGmbH, CC-BY-NC-SA @ Verkehrsmuseum Dresden

Abb: 2 und 4: Deutsche Bundesbahn, Die Güterwagen der Regelbauart, Eisenbahnzentralamt Minden, Dezernat 28

Abb. 5: Imperial War Museums, © IWM BU 3238

Abb. 6: Imperial War Museums, © IWM BU 3307

Abb. 7: Imperial War Museums, © IWM BU 11189

Abb. 8: Imperial War Museums, © IWM BU 3316

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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