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Produktion des Aggregat 4

Versuchsstelle des Heeres – Peenemünde

Neben der Entwicklung des Aggregat 4 (A4) entstanden in Peenemünde auch Anlagen zur Versuchsserienfertigung. Mit 248 Metern Länge und 120 Metern Breite wurde die damals größte Montagehalle ohne Zwischenstützen als Fertigungshalle 1 (F1) in Peenemünde erbaut. Im Untergeschoss der Halle wurden 600 ausgewählte Häftlinge aus den Konzentrationslagern Buchenwald und Sachsenhausen einquartiert, die in der Versuchsserienfertigung arbeiteten. Dies Lager erhielt die Bezeichnung "Karlshagen II". Eine weitere Halle, die F2 wurde noch errichtet aber nicht mehr voll in Betrieb genommen. Von einer Materialhalle wurden wegen der Verlagerung an andere Produktionsstandorte und der anhaltenden Materialknappheit noch die Bodenplatte und die Gleisanschlüsse fertiggestellt

Die Operation Hydra der Royal Air Force, die in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1943 ausgeführt wurde, hatte unter anderem zum Ziel die Wohnquartiere in Peenemünde zu treffen und so Facharbeiter und Wissenschaftler auszuschalten.

Die Bomben trafen aber durch einen Markierungsfehler der Pathfinder-Flugzeuge überwiegend die Wohnsiedlung Karlshagen und die Zwangsarbeiterlager Trassenheide I und II. 621 Häftlinge wurden dadurch getötet.

 

Friedrichshafen – Zeppelin-Werke

Anfang 1941 erwähnte Generalmajor Dornberger bei einem Vortrag vor Generalfeldmarschall Milch die Produktion von 3500 Raketen bei den ZeppelinWerken.

Nach der Luftschiff-Katastrophe der Hindenburg in Lakehurst und der Einstellung der Luftschifffahrt in Deutschland hatten die ZeppelinWerke Produktionsstandorte als Kapazitäten frei. Zur Einrichtung der Serienfertigung wurde eine Halle vom Flugfeld Löwenthal mit zeitlicher Verzögerung, sowohl die Luftwaffe als auch das Heer beanspruchten die Halle, auf Weisung von Rüstungsminister Speer vom 31.03.1942 umgesetzt werden und als Halle 3 auf dem Werftgelände in die Serienfertigung einbezogen werden.

Diese sollte, nach dem im April 1943 die Taktstraße fertiggestellt war, am 01. Mai 1943 beginnen.

Für die Großserie der Baureihe B der A4 waren folgende Stückzahlen in Halle 3 geplant: 

07.1943 – 10 Stück

08.1943 – 20 Stück

09-1943 – 30 Stück

10.1943 – 70 Stück

11.1943 – 150 Stück

12.1943 – 300 Stück

Zu einer Serienfertigung kam es nicht mehr, da die Halle 3 Ende Juni 1943 erst zu 50% fertiggestellt war und damit etwa ein halbes Jahr hinter der Planung lag. In den Zeitraum der Fertigstellung der Halle fiel die Verlagerung der Serienfertigung .

Nach der Verlagerung blieben die Zeppelin-Werke Leitfirma für die Produktion der Tanks und der Halbschalen für das Mittelteil der A4.

Es ist davon auszugehen, dass Zeppelin vor der geplanten Serieenfertigung Tanks, Heck- und Mitteteile für die Nullserie, als auch für Versuchsmuster nach Peenemünde lieferte.

 

Wiener Neustadt – Rax-Werke

Die seit 1930 stillgelegte Wiener Neustädter Lokomotivfabrik wurde von Henschel&Sohn übernommen, die dort am 05. Mai 1942 unter dem Decknamen Rax-Werke eine Tochtergesellschaft gründeten.

Nach der Erweiterung des Werkes gehörten die Rax-Werke zu den wichtigsten Schlepptender-Fabriken.

Um das zu erreichen wurde aus Kraljevo in Serbien eine dort erbeutete Halle abgebaut und in Wiener Neustadt wiedererrichtet. In und vor der Halle hatte die deutsche Wehrmacht Mitte Oktober 1941 in Kraljevo über 1700 serbische Zivilisten als Vergeltung für Partisanenangriffe durch Erschießen hingerichtet.

Mit einer Höhe von 30 Metern, war die sogenannte Serbenhalle gut für eine Produktion der A4 geeignet. Im März 1943 war das Stahlgerüst der Halle wiederhergestellt, im Sommer 1943 die nördliche Hälfte der Halle fertig. Über 1200 KZ-Häftlinge wurde direkt in der Serbenhalle untergebracht und sollten dort bis zu 300 Raketen im Monat produzieren.

Ein Angriff der USAAF am 13. August 1943 auf dei benachbarten Wiener Neustädter Flugzeugwerke traf auch die Rax-Werke.

Ein zweiter Angriff am 01. Oktober 1943 mit 22 Toten, der aber nur wenig Sachschaden hinterließ, veranlasste die Verantwortlichen die Produktion der A4 in das bombensichere KZ Ebensee (keine Produktion von A4 bis Kriegsende) und Redl-Zipf als auch in das Mittelwerk im Kohnstein im Harz zu verlagern. Der im Bau befindliche Triebwerkprüfstand östlich der Rax-Werke im Vorwerk Lichtenwörth mit Spritzständen (kalte Prüfung der Triebwerke) sowie dazugehörige Tankanlagen wurde nicht fertiggestellt.

 

Redl-Zipf – Vorwerk Schlier

Unter der Tarnung einer Steinbruchfirma, der Steinbruch-Verwertungs G.m.b.H., Betrieb Schlier wurde in Zipf eine unterirdische Produktionsstätte eingerichtet.

Hierzu wurden die Bierkeller der Brauerei Zipf beschlagnahmt und ausgebaut.

Wie in allen Produktionsstätten wurde die Arbeit überwiegend von KZ-Häftlingen durchgeführt, dazu richtete das KZ-Mauthausen in Zipf ein Nebenlager ein.

Neben einem Trafobunker wurde ein Triebwerksprüfstand errichtet.

Die Anlage diente Hauptsächlich zur Produktion von flüssigem Sauerstoff, der eine Komponente zum Antrieb der A4 war. Hier wurden etwa 500 Triebwerke, die sogenannten Öfen, getestet.

Nach mehreren Explosionsunglücken wurden keine Triebwerke mehr überprüft, die Anlage produzierte nur noch flüssigen Sauerstoff.

 

Niedersachswerfen/Nordhausen – Mittelwerk

BASF ließ seit 1917 durch das Ammoniakwerk Merseburg Sulfatgestein am Kohnstein abbauen. Mitte der 1930er Jahre wurde die Förderung zunehmend unwirtschaftlich.

Die Unternehmensleitung schlug dem Reichswirtschaftsministerium ein Gemeinschaftsunternehmen vor, dem Reich sollten die entstehenden Stollenanlagen durch den Untertagebau zur Verfügung gestellt werden.

Die Umsetzung wurde der neugegründeten wirtschaftlichen Forschungsgesellschaft mbH (WiFo) übertragen.

Bis September 1937 waren zwei Fahrstollen mit 12 Querstollen fertiggestellt, sodass die WiFo ab 1938 Treibstoffe und andere Chemikalien einlagern konnte.

Zur unterirdischen Verlagerung der durch Bombenangriffe gefährdeten Produktionsstätten der A4 wurde der Kohnstein mit seinen bestehenden Stollen ausgewählt.

Zur Tarnung wurde am 21. September 1943 die Mittelwerk GmbH gegründet. Neben privaten Gesellschaftern, war das Rüstungsministerium, das Heereswaffenamt und die SS beteiligt. Die WiFo als Eigentümer der Anlage wurde mit dem Ausbau des Stollensystems beauftragt. Der Mittelwerk GmbH wurde die Montage der Raketen übertragen.

Sowohl die WiFo und als auch die Mittelwerk GmbH waren strukturell und terminlich auf den Einsatz von KZ-Häftlingen angewiesen.

Durch das KZ Buchenwald wurde am Kohnstein ein Außenkommando mit der Bezeichnung "Arbeitslager Dora" eingerichtet. Bis Ende 1943 wurden 11000 Häftlinge zum Kohnstein verbracht, sie mussten unter unsäglichem Leid die Stollen, in den sie auch schliefen und lebten, weiter zur Produktionsstätte der A4 ausbauen. Gearbeitet wurde rund um die Uhr. Über 3000 starben an Unterernährung, Entkräftung und Lungenkrankheiten.

Erst mit dem Beginn der Raketenproduktion wurde über Tage das Barackenlager "KZ-Mittelbau" angelegt.

Etwa 5000 Häftlinge und 3000 Zivilangestellte waren an der Produktion der A4 im Kohnstein beteiligt. Die aus etwa 20000 Einzelteilen bestehnde Rakete wurde aus 200 zugelieferten und aus im Kohnstein gefertigten Baugruppen montiert.

Geplant war ein Ausstoß von 1800 Raketen monatlich. Die Planungen wurden bereits im November 1943 drastisch nach unten auf 900 Stück im Monat nachreguliert.

Diese Stückzahlen wurden nie erreicht.

Kontraproduktiv wirkte sich im April 1944 die Abgabe von Stollen im Nordteil an die Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG aus. Im Herbst 1944 ließ Heinkel seinen Volksjäger He 162 im Kohnstein montieren. Ab Januar 1945 übernahm die Mittelwerk GmbH auch die Produktion der V1. Entkräftung der Häftlinge, Sabotage und Materialmangel ließen nur Stückzahlen um die 600 A4 im letzten Quartal 1944 zu. Der Spitzenwert wurde im Januar 1945 mit 700 abgenommenen A4 erreicht.

 

 

 

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