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Die Verluste

Die offiziellen Opferzahlen

Die offiziellen Angaben schwanken je nach Quelle. Nach einem Zeitungsbericht fanden 311 Menschen den Tod: 132 Wehrmachtsangehörige, 59 Zivilisten und 120 Fremdarbeiter, die nicht in die schützenden Bunker flüchten durften.

Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge gibt die Gesamtbelegung mit 279 Toten an, im Text 286 Tote. In der Einleitung zur Kriegsgräberstätte schreibt der Volksbund: „ Kriegsgräberstätte am 'Fußweg zum Westen' mit 221 Einzelgräbern, 1 Sammelgrab mit 22 deutschen Gefallenen und 1 Sammelgrab mit 42 ausländischen Staatsangehörigen - Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter - verschiedener Nationen.“

Das sind zusammen 285 Tote. Die Aufschlüsselung des Volksbundes sieht wie folgt aus:

„In Einzelgräbern bestattet sind:
- 9 deutsche Marinesoldaten und 6 Zivilbedienstete des Ersten Weltkrieges,
- 139 Wehrmachtsangehörige,
- 39 deutsche Zivilpersonen,
- 7 polnische, 2 belgische, 2 holländische und 1 russischer Zwangsarbeiter sowie 16 Unbekannte.

Im Sammelgrab für deutsche Gefallene ruhen:
- 20 Wehrmachtsangehörige,
- 2 Zivilpersonen.

Im Sammelgrab für ausländische Zwangsarbeiter sind bestattet:
- 15 Belgier, davon 5 unbekannt
- 12 Franzosen,
- 13 Holländer, davon 7 unbekannt,
- 2 Unbekannte“

Dazu kommt das Bunkergrab Hartmannstand, das nach Angaben des Volksbundes mal mit 19 Toten und mal mit 20 Toten belegt sein soll. Auch werden die Toten im Hartmanstand als in Einzelgräben bestattete gelistet, was natürlich so nicht stimmt.

Zieht man die 15 Toten des Ersten Weltkrieges ab, so sind maximal 290 Tote des Zweiten Weltkrieges auf den beiden Kriegsgräberstätten der Insel bestattet. Ein Großteil ist dem Luftangriff am 25. April 1945 zuzurechnen. Um eine Gesamtzahl zu erhalten, sind mindestens 10 Zivilisten die auf dem alten Freidhof bestattet und vermutlich nicht umgebettet wurden, sowie ein Soldat der Batterie Neudeich, der in Wiesbaden bestattet wurde, und fünf Franzosen die nach Frankreich umgebettet wurden hinzuzurechnen.

Dies erhöt die Maximalzahl auf 306.

 

Die Recherchen der Arbeitsgruppe

Die Gemeinde Wangerooge hat auf die Anfrage vom September 2020 zur Belegung und den Grablagen nicht geantwortet.

Eine Anfrage im Jahr 2016 bei der Bundesgeschäftsstelle des Volksbundes zu Umbettungsunterlagen von Wangerooge wurde mit der Begründung abgelehnt, dass der Volksbund als Verein gegenüber Privatpersonen nicht auskunftspflichtig ist. Nur gut, dass der Verein sich über Spenden jener Privatpersonen mitfinanziert.

Über den Landesverband in Oldenburg wurde im November 2016 eine weitere Anfrage gestellt, diese ergab, dass im Archiv in Kassel keine Friedhofs- und Ausbettungspläne oder Umbettungsunterlagen zum Friedhof Wangerooge gefunden werden konnten.

Die Recherchen der Arbeitsgruppe zu den Toten des Angriffs stützen sich auf das Kirchenbuch der ev. Gemeinde Wangerooge. Aus dem Arolsen Archiven (ehem. International Tracing Service, Bad Arolsen), stammen Dokumente wie Sterbeurkunden der Gemeinde Wangerooge, Grablagepläne der Insel und Karteikarten des Polizeidurchgangslagers Amersfoort. Ausgewertet wurden Angaben des Online- Angebotes der niederländischen War Grave Foundation in Den Haag und des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. in Niestetal bei Kassel

 

Fremdarbeiter

Nach diesen Recherchen sind 115 Fremdarbeiter bei dem Angriff gestorben. Unter dem der Schweizer Sprache entliehenem Begriff der Fremdarbeiter sind Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und freiwillig auf Wangerooge arbeitende Ausländer zusammengefasst.

Am schwersten traf es die Niederländer mit 51 Toten. 41 Niederländer sind durch das Standesamt Wangerooge nachträglich 1949 beurkundet worden. Eine beurkundete Person hat aber vermutlich überlebt, so ein Vermerk der Gemeinde. Diese Person wird auch nicht bei der War Grave Foundation in Den Haag geführt. Von drei Niederländern sind bis heute die Namen unbekannt, sie wurden ursprünglich auf dem Neuen Friedhof bestattet. Sieben weitere Niederländer tauchen namentlich entweder nur im Kirchenbuch, oder dem Gedenkstein des niederländischen Teil des Friedhofes Heger in Osnabrück auf. Nachvollziehbar ist die heutige Anzahl von 7 unbekannten Niederländern auf der Kriegsgräberstätte Wangerooge nicht, da 48 namentlich bekannt sind. 

Von den 35 Belgiern wurden alle durch die Gemeinde Wangerooge beurkundet. Die heute fünf unbekannten Belgier die auf der Kriegsgräberstätte „ Fußweg zum Westen“ ruhen sind daher nicht erklärbar.

Festgestellt wurden im Kirchenbuch acht polnischen Tote, von denen drei durch die Gemeinde Wangerooge nachträglich beurkundet wurden. Vermutlich ist eine Person im Kirchenbuch doppelt gelistet.

Die 23 Toten französischer Staatsangehörigkeit, dazu wurden auch vier Marokkaner gezählt, wurden alle von der Gemeinde Wangerooge nachträglich beurkundet.

 

Wehrmacht und Zivilisten

194 Wehrmachtsangehörige und Zivilisten verstarben an den Folgen des Luftangriffes.

Davon fanden sechs Österreicher, die in der Wehrmacht dienten, den Tod.

Von den 188 deutschen Staatsangehörigen konnten 122 Personen als Wehrmachtsangehörige aufgrund ihres Dienstgrades oder ihrer Dienstverwendung zugeordnet werden. Nicht eindeutig zu ermitteln war die Zahl der Wangerooger, die im Dienste der Wehrmacht standen. 66 Zivilisten kostete der Angriff das Leben.

Von diesen 311 Opfern ist die vermutete Doppelmeldung eines polnischen Arbeiters, sowie die irrtümliche Todesmeldung einer Niederländerin abzuziehen, so dass die Opferzahl von 309 Menschen der offiziellen Zahl nahe kommt.

Damit schlüsseln sich die Verluste nach den Recherchen der Arbeitsgruppe wie folgt auf:

115 Fremdarbeiter

-50 Niederländer

-35 Belgier

-23 Franzosen

-7 Polen

128 Wehrmachtsangehörige

-122 Deutsche

-6 Österreicher

66 Zivilisten

-39 Wangerooger

-27 Auswärtige

 

Die Royal Air Force

Die Royal Air Force verlor sieben schwere Bomber. Die Halifax VII NP796, EQ-M des No. 408 Squadron aus Linton on Ouse kollidierte mit der Halifax NP820 des No. 426 Squadron über See. Keiner überlebte, alle sieben Besatzungsmitglieder gelten bis heute als vermisst.

F/Lt. A. B. Ely RCAF MIA Runnymede Panel 278.
Sgt. J. Hughes MIA Runnymede Panel 275.
W/O2.  J. E. Brambleby RCAF MIA Runnymede Panel 280.
F/O.  J. K. Stanley RCAF MIA Runnymede Panel 280.
F/O. A. B. Boyd RCAF MIA Runnymede Panel 278.
Sgt. A. L. Rutter RCAF MIA Runnymede Panel 281.
Sgt. V. E. Hovey RCAF MIA Runnymede Panel 280.

 

 

Auch die Besatzung der ebenfalls in Linton on Ouse gestarteten Halifax VII, NP820, OW-W des No. 426 Squadron werden bis heute vermisst. 

W/O2.  J. C. Tuplin RCAF MIA Runnymede Panel 281.
Sgt. R. Roberts MIA Runnymede Panel 276.
F/O. J. D. C. Ross RCAF MIA Runnymede Panel 279.
W/O. R. G. Evans MIA Runnymede Panel 269.
F/Sgt. R. D. H. Curzon RCAF MIA Runnymede Panel 280.
F/Sgt. E. W. Hicks RCAF MIA Runnymede Panel 280.
F/Sgt. S. J. Teskey RCAF MIA Runnymede Panel 281.

 

 

Die Lancaster X, KB822, SE-W des No. 431 Squadron, die um 14:55 in Croft gestartet war , kollidierte etwa 15 Kilometer nördlich von Langeoog mit der Lancaster X KB831 des gleichen Geschwaders. Von einem Bomber des No. 428 Squadron wurden fünf bis sechs Fallschirme wahrgenommen. Fünf Mitglieder der Besatzung sind bis heute vermisst. Der Pilot Douglas George Baker wurde auf Langeoog angespült und dort auf dem Friedhof in Reihe 6, Grab 4 bestattet. Der Navigator Cruickshank wurde in Südschweden in der Gemeinde Tjärnö, etwa 20 Kilometer südlich der Grenze zu Norwegen aufgefunden und auf dem kirchlichen Friedhof Tjärnö bestattet.

 

 F/O. D. G. Baker RCAF KIA Sage War Cemetery 7.F.8.
Sgt. F. Smith MIA Runnymede Panel 276.
 F/O. J. D. Cruickshank RCAF KIA Kviberg Cemetery Sweden
 F/O. L. H. Amos RCAF MIA Runnymede Panel 278.
W/O2. P. E. A. Henrichon RCAF MIA Runnymede Panel 281.
F/Sgt.  J. J. P. R. Roy RCAF MIA Runnymede Panel 282.
F/Sgt.  L. U. M. Hiatt RCAF MIA Runnymede Panel 282.

 

Auch die Lancaster X, KB831, SE-R des No. 431 Squadron die mit der o. g. Maschine kollidierte, ging komplett verloren. Auch der Engineer John Nugent Sims wurde auf Langeoog angetrieben und dort in Reihe 6, Grab 1 bestattet.Der Navigator Robert John Stingle wurde erst im Sommer 1945 aufgefunden und am 02. Juli 1945 in Cuxhaven bestattet. Der Rest der Besatzung ist vermisst.

F/Lt.  B. D. Emmet KIA MIA Runnymede Panel 278.
Sgt. J. N. Sims KIA Sage War Cemetery 7.F.10.
F/O. R. J. Stingle RCAF KIA Becklingen War Cem. 27.J.14.
F/O. W. E. Hanna RCAF MIA  Runnymede Panel 278.
W/O2 C. R. I. Mark RCAF MIA  Runnymede Panel 281.
Sgt. D. A. Faulkner MIA  Runnymede Panel 274.
F/Sgt. R. J Mellon RCAF MIA  Runnymede Panel 282.

 

 

Die Halifax VI, RG553, MP-T, No. 76 Squadron aus Holme on Spalding Moor kollidierte mit Halifax VI, RG591 und stürzte auf Wangerooge ab. Der Rumpf schlug unterhalb und südöstlich des Flagruko (Bunkergrab Hartmannstand) auf.Sechs der siebenköpfigen Besatzung verloren ihr Leben dabei. Der Flugzeugführer, Pilot Officer Lawson, wurde an seinem Fallschirm zur See hin abgetrieben und landete ca. 100 Meter vom Strand entfernt. Die Toten wurden erst an Ort und Stelle bestattet und nach der Besetzung der Insel durch die Alliierten im Sommer 1945 auf den neuen Friedhof Reihe 2,Gräber 5-10 bestattet.

Heck der Halifax RG 553 unterhalb des Flagruko.

 

P/O. G. W. Lawson RCAF POW  
Sgt. D. B. Neil Stanes KIA Sage War Cemetery 11.E.5.
F/O. C. R. Milne Morrison RCAF KIA Sage War Cemetery 11.E.8.
F/O. M. C. Slaughter RCAF KIA Sage War Cemetery 11.E.6.
F/Sgt. A. G. Artus KIA Sage War Cemetery 11.D.3.
P/O. R. I. Sweet RCAF KIA Sage War Cemetery 11.E.7.
P/O. L. L. Slauenwhite RCAF KIA Sage War Cemetery 13.A.2.

  

Das Heck der in die Kollision verwickelten Halifax VI, RG591, MP-A, ebenfalls vom No. 76 Squadron, stürzte in den in den Hof der Luftwaffenunterkünfte (in 2020 Kurheim "Villa Kunterbunt"). Fünf Besatzungsmitglieder fanden den Tod, zwei gelten seitdem als vermisst.

Auch diese Toten wurden erst nach Kriegsende aus Ihren Gräbern nahe der Absturzstelle auf den neuen Friedhof in Reihe 1, Gräber 2-5 umgebettet.

Halifax RG 591 stürzt östlich des Ortes ab.

 

W/O2. J. L. Outerson RCAF KIA Sage War Cemetery 11.C.9.
Sgt. J. W. Burdall KIA Sage War Cemetery 11.E.10.
F/O.  J. Ramsay RCAF KIA Sage War Cemetery 11.D.9.
F/Sgt. C. H. Livermore RCAF MIA Runnymede Panel 280.
Sgt. J. Nicholson KIA Sage War Cemetery 11.C.6.
F/Sgt. E. T. Sutton MIA Runnymede Panel 273.
F/Sgt. G. Gibson KIA Sage War Cemetery 11.D.4.

 

Das Heck der Halifax RG591 im Innenhof der Luftwaffenunterkünfte.

 

Das Heck einer weiteren Halifax VI, NP921, L8-E, No. 347 Squadron aus Elvington, welches auf Wangerooge stürzte, schlug auf der Linie Flagruko-Haus Charlotte (heute Haus Gorch Fock) unweit des Haus Charlotte auf.

Ein Motor und weiter Trümmerteile trafen das Haus Charlotte und setzten dieses in Brand.

Nach dem Luftangriff kam Erika Gehrmann auf dem Weg zum Flagruko an einem Flugzeugwrack vorbei. In der Heckkanzel hing einen toter Flieger.in seinen Gurten.

Das Heck der NP921 in den Dünen nahe des Haus Charlotte.

Fünf Besatzungsmitglieder der Freien Französischen Luftwaffe wurden in den Tod gerissen. Zwei Flieger gelten als vermisst. Die Toten wurden nach Kriegsende aus ihren Feldgräbern an der Absturzstelle auf den neuen Friedhof in Reihe 2, Gräber 1-4 umgebettet. Capitaine Jacquot wurde erst im Dezember 1946 bei Aufräumarbeiten im Haus Charlotte auf dem Toilettenanbau gefunden.

Sgt/C. R. Mercier FFAF MIA  
Sgt. M. Mennetre FFAF MIA  
Cpt. G. Hautecoeur FFAF KIA  
Cpt. J. Jacquot FFAF KIA  
Sgt/C. P. Bariteau FFAF KIA  
Sgt. P. Ferrero FFAF KIA  
Sgt. G. Leduc FFAF KIA  

 

 Blick vom Flagruko zum Ort. Im roten Kreis das Heck der RG553, im Blauen das der NP921.

 

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