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Der Fliegermord

Bootsmannsmaat Robert Meister, der in der Nähe des Flagruko Schanzarbeiten ausführen ließ, schickte zu Beginn des Angriffs seine Soldaten in Deckung. Er selbst fand Deckung in einem betonierten Schützenloch (Friesentonne) einige Meter südwestlich der Dünenhalle, in dem schon ein Oberfeldwebel Schutz suchte.

Während des Angriffs der ersten Welle, oder kurz danach landete ein alliierter Flieger mit dem Fallschirm in der Nähe der Dünenhalle.

Robert Meister entdeckt den gelandeten Flieger sowie auch der Oberfeldwebel und zwei weitere Soldaten, die in einem anderen Loch hockten. Die Soldaten und der Oberfeldwebel rannten auf den Flieger zu, der sich mit erhobenen Armen ergab.

Kurz darauf bemerkte Meister (Ziel-) Leuchtmarkierungen, die in seiner Nähe niedergingen. Er suchte erneut Deckung, diesmal nordwestlich der Dünenhalle in einem Bunker.

Nach dem Luftangriff bemerkte Meister einen leblosen Flieger, der am Fußweg zum Westen, rechts neben dem zur Dünenhalle führenden Klinkerweg lag.

Skizze von Meister über die Situation an der Dünenhalle. Aus der Untersuchungsakte.

Nach Angaben des Inselchronisten Hans-Jürgen Jürgensen wurde der Tote mit dem Kopf an einer Kette hängend vom Fuhrunternehmer S. von der Dünenhalle in das Grünland westlich des Dorfgrodendeiches gezogen. Gesehen hat dies nach H.-J. Jürgens damals ein nicht namentlich genannter Augenzeuge, der im Oktober 2016 noch lebte.

Im Mai 1945 zeigte der Marinesoldat Matrose Jakob Hammer schriftlich gegenüber der 20th Canadian Field Security Section den Obermaat Robert Meister des Mordes an. Meister soll einen britischen Flieger, der am 25. April 1945 mit dem Fallschirm landete, erschossen haben. Hammer, der unter Meister in der gleichen Flak-Batterie Dienst tat, gab an (aus dem Englischen übersetzt):

Am 25 April 1945 war ein Bombenangriff auf die Insel Wangerooge, während dem sich folgendes ereignete:

'Um 17:00 Uhr am 25 April 1945 flogen 600 Lancaster über die Insel. Die eskortierenden Flugzeuge warfen Bomben als Orientierungshilfe, als ich den Ort verließ und zur Reithalle kam.

Als die ersten Bomben fielen, war ich bei der Dünenhalle. Es gab eine kurze Pause. In dieser Pause sah ich Bootsmaat Meister, der auf einen alliierten Piloten schoss. Er riss sein Gewehr von der Schulter und schoss auf den Mann.

Dann kamen mehr Bomben und ich ging in einen Bunker, in dem Bootsmaat Meister später erschien. Er hatte sein Gewehr in der Hand und sagte mit einem Lächeln im Gesicht: 'Nun, jetzt habe ich einen mit drei Schüssen getroffen.'

Nach dem Angriff habe ich keinen weiteren Blick darauf geworfen. Er hat sich in der Kaserne darüber geärgert und allen davon erzählt.'

(Unterzeichnet) Hammer“

(Die Reithalle befand zwischen den heutigen Tennisplätzen und dem nördlich davon laufenden Dünenweg von der Elisabeth-Anna-Straße zum Dünenspielplatz/Surfschule.)

Aufgrund dieser Aussage wurde Meister 1946 im C. I. C. Esterwegen inhaftiert. Ein ehemaliges Konzentrationslager im Emsland, dass die Briten ab Mai 1945 als Internierungslager für Kriegsverbrecher, vor allem für SS-Wachpersonal der Konzentrationslager, nutzte.

Der britische Ermittler Major Kaczorowski legte den Schwerpunkt darauf, den Oberfeldwebel mit dem Meister in der Deckung war, zu finden. Dazu wurden einige Soldaten der Marine Flakschule III der Friedrich August Kaserne befragt. Die Suche blieb ergebnislos, da der Name des Oberfeldwebels nicht zu ermitteln war. Parallel lief die Suche nach Matrosen Hammer in der französisch besetzten Zone. Mehrer Personen mit dem Nachnamen Hammer wurden ausfindig gemacht, aber keiner war je auf Wangerooge.

Ende März 1947 schien die richtige Person gefunden worden zu sein. In Rastatt war ein Jakob Hammer inhaftiert. Major Kaczorowski reiste nach Rastatt, um erneut festzustellen das es der falsche Jakob Hammer war. Ein Fehler der französischen Besatzungsmacht.

Erst am 12. Mai 1947 konnte der richtige Jacques (Jakob) Hammer in Brumath bei Straßburg vernommen werden. Hammer konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann er auf die Insel gekommen ist und auch nicht an das genaue Datum des Angriffs und der Tatausführung durch Meister. Auch die Version das er beim Bombenangriff zu Fuß aus dem Ort kam, wiederholte er nicht, vielmehr gab er an, unter Meister in der Nähe des Gefechtsstandes (Flagruko, Bunkergrab-Hartmannstand) Schanzarbeiten durchgeführt zu haben. Während des Angriffs saß er mit seinen Kameraden in dem Bunker, in den Meister später dazu kam. Seine Anschuldigungen konnte er nicht aufrecht erhalten, da weder er noch ein anderer seiner Kameraden gesehen hatten, dass Meister auf den Flieger geschossen hat.

Darauf empfahl Major Kaczorowski Robert Meister nicht des Mordes anzuklagen und ihn umgehen aus Esterwegen zu entlassen. 

 

Irritierungen

H.-J. Jürgens behauptet in seinem Buch Zeugnisse aus unheilvoller Zeit, C. L. Mettcker & Söhne, 3. Aufl. 1991, Meister hätte sich zu dem Mord an dem Flieger hinreißen lassen, weil er seine Familie bei einem Bombenangriff auf Hamburg verloren hat. Aus einem Brief aus Esterwegen an seinen Kameraden Willi wird klar, dass er zwar Hab und Gut in Hamburg verloren hatte, seine Frau aber am Leben war und ihn in Esterwegen besuchte, ebenso wie später seinen Kameraden Willi. 

 

 

 

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