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Short Stirling Mk. I - Vechta

Ende September 2019 wurde die Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen durch die Stadt Vechta über Wrackteilfunde auf einer Baustelle im Industriegebiet Vechta informiert. Die Teile wurden beim Ausbaggern von nicht tragfähigem Grund entdeckt. Die Arbeitsgruppe nahm umgehend eine beratende und unterstützende Tätigkeit auf. Nach erster in Augenscheinnahme durch ein Mitglied der Arbeitsgruppe stand schnell fest, aufgrund der Bordmunition vom Kaliber 0.303, dass es sich um einen britischen Bomber handeln musste. Ein Spornrad das sich mit unter den Teilen befand ließ sich als einem Bomber vom Typ Short Stirling zuordnen.

Anhand der Bodenstempelung der Munition konnte der Absturzzeitraum auf das Jahr 1942 oder danach eingegrenzt werden.

Im Buch "Das ist schon lange her...Die Geschichte der Fliegerei in Vechta“ von Jan-Bernd Uptmoor wird der Absturz einer Short Stirling am. 17. Dezember 1942 am Südrand des Flugplatz Vechta erwähnt. Die Fundstelle deckt sich mit dem im Buch genannten Absturzort.

Wegen der möglichen Gefährdung durch im Boden vermutete Abwurfmunition, erteilte die Stadt Vechta die Auflage, dass weitere Erdarbeiten nur in Begleitung durch ein Kampfmittelbergungsunternehmen durchgeführt werden durften. Die durch den Bauherr beauftragte Kampfmittelbergung Schollenberger aus Celle nahm Mitte November die Arbeiten auf dem Baugelände auf. Im Zuge der Sondierung und der Grabung nach verdächtigen Bodenkontakten wurden weitere Flugzeugteile geborgen.

Bodenstempelungen der Munition, unter anderem K 1941, GB 1942.

Bodenstempelungen der Munition

An einem vorherigen vor Ort Termin, bat die Arbeitsgruppe darum, besonderes Augenmerk auf persönliche Ausrüstungsgegenstände und Bekleidung zu richten, ebenso auf sterbliche Überreste. Ein Indikator für die Annahme noch Spuren der Besatzung zu entdecken, war die Art der Bestattung im Dezember 1942 auf dem Waldfriedhof Vechte (ehemaliger s. g. Russenfriedhof). Sechs der siebenköpfigen Besatzung wurde in einem Grab als unbekannte englische Flieger bestattet, ein Zeichen dafür, das die sterblichen Überreste nicht identifizierbar waren und auch die Anzahl der Toten nicht festgestellt werden konnte.

Am dritten Tag der Kampfmittelbergung kamen aus etwa vier Metern Tiefe Bekleidung, u. a. Fragmente von Pullovern und Uniformteilen, sowie Knochen an die Oberfläche. Die Kriminalpolizei und die untere Denkmalschutzbehörde der Stadt Vechta wurden informiert. Die Knochen und die Bekleidung wurden gesichert und durch die Stadt Vechta vorläufig verwahrt.

Der Fund von sterblichen Überresten zog die Einstellung jeglicher Arbeiten auf der Baustelle nach sich. Das niedersächsische Landesamt für Denkmalschutz (NLD) und hierüber die Rechtsmedizin des Universitätskrankenhauses Hamburg-Eppendorf (UKE) wurden eingeschaltet. Ende November kam es zu einer Nachsuche und Bergung von weiteren Knochen und persönlicher Ausrüstung durch die Rechtsmedizin und weitere Helfer. 

Dr. Jopp-van Well vom UKE bei der Arbeit

Dr. Jopp-van Well vom UKE bei der Arbeit

Die sterblichen Überreste wurden am UKE weiter untersucht und DNA gewonnen, um über einen DNA-Abgleich die Knochen einem der Toten der Besatzung zuzuordnen. Da keine Knochen doppelt waren, wurde davon ausgegangen, dass es ich um Knochen einer Person handeln muss. Die Arbeitsgruppe hatte zwischenzeitlich Angehörige der Besatzung in Neuseeland, Australien und Großbritannien ausfindig gemacht. Diese erhielten durch das UKE DNA-Testkits. 

Textile Fundstücke wurden durch das NLD gesichert und in Hannover gereinigt. Die Arbeitsgruppe übernahm auch hier anhand von Fotos der Artefakte eine erste Identifizierung. 

Die geborgenen Wrackteile wurden durch die Stadt Vechta verwahrt. Helfer der Arbeitsgruppe begannen im Februar 2020 mit der Reinigung der Teile.

Durch die Corona-Krise mussten die Arbeiten am Projekt eingestellt werden. 

Galerie zum Projekt Vechta

 
Bildnachweis:
Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen, M. Zeisler, J.-M. Brandes
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