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Bristol Blenheim Mk. IV - Bremen

Ende Juni 2015 fand die Kampfmittelbeseitungsfirma Lutomsky, die im Auftrag der Bremer Polizei einen Bombenkrater im Bremer Blockland sondierte, 15 Meter neben dem bereinigten Krater in zwei Meter Tiefe Wrackteile eines Flugzeugs. Vorsorglich wurden die Teile auf dem Bauhof der Firma in Stuhr eingelagert.  Die Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen wurde, aus privatem Interesse eines Mitarbeiters, über den Fund informiert. Herr Brandes von der Arbeitsgruppe nahm sich der Sache an und meldete den Fund der Bremer Landesarchäologie. Frau Professor Doktor Halle, Leiterin der Landesarchäologie, begutachtete die Teile zusammen mit Herrn Brandes und Herrn Ahrens von der Firma Lutomsky im Juli 2015 am Lagerort in Stuhr.

Die gefundenen Teile im Bremer Blockland

Die Fundteile direkt nach der Bergung [1]

 

Da der Flugzeugtyp dort nicht feststellbar war, lediglich an der sichergestellten Munition vom Kaliber 0.303 war zu vermuten, dass es ein britisches Flugzeug sein musste, übernahm Brandes einige Teile zur Auswertung. Aufgrund eines vorgefundenen Wrackteils das mit einem Abnahmestempel "R3" des britischen Flugzeugherstellers Avro versehen war, ging Brandes anfangs von einer Lancaster aus.

Das Wrackteil mit der "R3" Stempelung

Die "R3" Stempelung für den Hersteller Avro [1]

 

Drei recht quadratische Bleche (Cooling gills - Kühlklappen) die mit dem Herstellerkürzel "FB", welches für den Hersteller Bristol steht, ließen Brandes anfangs glauben es wäre eine von 180 gebauten Avro Lancaster mit Bristol Sternmotoren. Die Teilenummer hätte eine eindeutige Identifizierung zugelassen, ein entsprechender Ersatzteilkatalog lag zu dem Zeitpunkt aber nicht vor. 

Die Stempelung der Kühlklappe

Die Stempelung der Kühlklappe [2]

 

Drei Kühlklappen

 Drei der Kühlklappen [2]

 

Was nicht passte war die helle Lackierung der Bleche . Eine Lancaster war in der Regel wegen ihrer Einsätze bei Nacht überwiegend schwarz lackiert, bis auf die Flugzeugoberseite die in dunklen Tarnfarben gehalten war. Auch die vielen Teile aus Plexiglas, das teilweise wie eine Welle geformt war (nicht vom Absturz, sondern so gefertigt) passte von der Kontur nicht zu den mit Plexiglas bestückten Baugruppen einer Lancaster. Brandes musste also nach einem britischen Flugzeugtyp suchen, der zumindest teilweise hell lackiert war, mit mindestens einem Sternmotor bestückt war und zu dem wellenförmiges Plexiglas passte. Fündig wurde er dann bei der Bristol Blenheim Mk. IV. Hier war die Farbgebung und die Form der Bleche identisch, auch konnte ich die vielen Plexiglasteile zuordnen, die zu der obere Hälfte der Bugsektion einer Blenheim Mk. IV gehörten, die für die gute Sicht des Beobachter/Navigators wie ein Wintergarten verglast war.

Der Bug einer Bristol Blenheim, hier im Flug.

 Der Bug einer Blenheim mit der verglasten Bugkanzel [3]

 

Nach dem nun der Flugzeugtyp bestimmt war, konnten etliche der Fundteile, anhand von Fotos einer Museumsmaschine, der Einbaulage im Flugzeug zugeordnet werden. Ein Blech offenbarte dann die Seriennummer der Maschine, anhand der ein Flugzeug sicher identifiziert werden kann, da diese Nummer individuell ist. Ein Blech war mit einer Schablone in schwarz mit dem Wortfetzen "STA..." und darunter mit "V602..." beschriftet. Das könnte "STARBOARD V6020" geheißen haben. Tatsächlich stürzte eine Blenheim Mk. IV mit der Seriennummer V6020 am 04.07.1941 bei einem Tagesangriff auf Bremen im Blockland nördlich von Bremen-Gröpelingen ab. Damit war die Identität des Flugzeugs geklärt und indirekt auch die Identität einer weiteren Bristol Blenheim Mk. IV von der im Imperial War Museum ein Foto exestiert, die eine Blenheim nur einige hundert Meter südlich vom Absturzort der V6020 im Parzellengebiet in Bremen-Gröpelingen als dort abgestürztes Wrack zeigt. Diese Blenheim wurde oft fälschlich als V6020 bezeichnet, tatsächlich handelt es sich um die V6193 des gleichen Squadrons die ebenfalls am 04.07.1941 abstürzte. 

Das Blech mit der lackierten Seriennummer V6020

Das Blech mit der dem lackierten Fragment der Seriennummer [2]

 

Blech mit Bleistiftbeschriftung der Seriennummer V6020

 Die Beschriftung mit Bleistift [2]

 

Gegen Ende der Recherche entdeckte Brandes ein weiteres Blech, das von einem Mechaniker des Bodenpersonals mit der Seriennummer 6020 beschriftet wurde, er verwendete dazu einen Bleistift! Erstaunlich das diese Beschriftung 74 Jahre im Erdboden überstanden hatte. Ein weiteres Wrackteil, ein schwarzer Metallring mit einer kleinen Schlauchtülle, das eher als ein Teil aus der Umgebung eines der Sternmotoren hätte sein können, gehörte zur persönlichen Ausrüstung eines der Flieger. Es war der Anschluss der Sauerstoffversorgung, der an der Atemmaske angenäht war. 

Nach der Auswertung gab Brandes die Wrackteile zurück an die Landesarchäologie Bremen und teilte dort den Mitarbeitern und Frau Professor Doktor Halle seine Erkenntnisse mit. In der Landesarchäologie wurde die Entscheidung getroffen, die Wrackteile der Öffentlichkeit am Tag des offenen Denkmals am 13.09.2015 zu präsentieren. Die Wrackteile wurden im Fundzustand belassen, lediglich zwei Fundstücke, ein gefütterter Handschuh, und der Rest eines Stiefels, die Frau Professor Doktor Halle bereits bei der Erstbesichtigung an sich genommen hatte, wurden konserviert Gesichert wurde auch der Lack an dem Blech mit der Bleistiftbeschriftung.

Für die Ausstellung, und um das Gesamtbild abzurunden, recherchierte Brandes noch die Geschichte des Angriffs, der von der Royal Air Force den Decknamen Operation Wreckage erhielt. Eine Kurzversion der Recherche wurde als Power Point Präsentation im Ausstellungsraum der Wrackteile am Tag des offenen Denkmals zur weiteren Information der Besucher gezeigt. 

Bildnachweis:
[1] Fa. Lutomsky
[2] Arbeitsgruppe Luftfahrtarchäologie Niedersachsen, J.-M. Brandes
[3] Unbekannter Fotograf
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